Am 19. Januar fand in den Räumlichkeiten des AStA der Universität Hamburg ein Infoabend unter dem Motto „Baraye Iran – warum die Menschen dort alles riskieren und was uns das angeht“ (deutsch: Für Iran) statt. Seit dem Tod von Mahsa Amini im Gewahrsam der iranischen Sittenpolizei im September 2022 protestieren die Menschen gegen das autoritäre Regime des Landes, allen voran junge Frauen. Diese Proteste werden von den Sicherheitskräften des Landes gewaltsam eingeschränkt – viele Menschen, die auf die Straße gingen, wurden inhaftiert, verletzt oder sogar getötet.
Die Veranstaltung wurde von den Youth Advocates organisiert, einer Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener, die sich bei Plan International Deutschland für politische und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationsbiographie einsetzen. Das Ziel der Veranstaltung war, Wissen über die aktuellen Proteste im Iran zu vermitteln, einen historischen Kontext zu geben und darüber ins Gespräch zu kommen, welche Rolle die deutsche Politik und Zivilgesellschaft spielen können.
Mädchen und Frauen sind im Iran seit Jahrzehnten Bürgerinnen zweiter Klasse. Sie sind von Geburt an massiver Diskriminierung ausgesetzt: Zum Beispiel dürfen sie nicht ohne die Zustimmung von männlichen Vormunden (Ehemann oder Vater) reisen und sind von vielen öffentlichen Veranstaltungen ausgeschlossen. Seit Januar stehen sie bei den Protesten in erster Reihe – ein starkes Beispiel dafür, wie junge Frauen ihre Stimme erheben, sich zusammenschließen und sich gegen ihre Unterdrückung wehren. Da die Kinderrechtsorganisation Plan International die Gleichberechtigung und das Empowerment von Mädchen und Jungen Frauen im Fokus hat, sahen sich Mitglieder der Youth Advocates veranlasst, zu den feministischen Protesten Stellung zu beziehen.
Im ersten Teil der Veranstaltung sprach Plan-Mitarbeiter Farbod Mahoutchyian, der selbst iranische Wurzeln hat, über die Geschichte und Gegenwart des vorderasiatischen Landes und wies eindrücklich auf die unterschiedlichen historischen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Iran und Deutschland hin. Er beendete seine Präsentation mit den Geschichten von drei Minderjährigen, die seit Beginn der Proteste durch Einsatzkräfte getötet wurden.
In Anknüpfung daran sprach im zweiten Teil der Veranstaltung Plan-Mitarbeiterin und Youth Advocate Lale Ahmerkamp mit der Politikerin Maryam Blumenthal (Landesvorsitzende B’90 die Grünen Hamburg) über die aktuelle Lage der Proteste und die Rolle der deutschen Politik. Zudem gingen sie gemeinsam mit dem Publikum der Frage nach, was man als Mitglied der deutschen Zivilgesellschaft tun kann, um die Proteste vor Ort zu unterstützen.
Das Ergebnis war ein Aufruf an alle, Solidarität mit den Menschen im Iran zu bekunden, auf ihre Situation aufmerksam zu machen und als „Schallverstärker“ ihrer Stimmen zu fungieren. Lale Ahmerkamp wies darauf hin, dass sich die Menschen hier, im Gegensatz zu den Protestierenden im Iran, nicht in Gefahr bringen, wenn sie Stellung beziehen.
Die Idee hinter der Veranstaltung war es, einen intimen Rahmen zu schaffen, in dem Zuhörer:innen in der Lage sind, Fragen zu stellen, Wissenslücken zu schließen und ihre Gedanken zu teilen. Das ist gelungen: Aus dem Publikum kamen unzählige Fragen und Anmerkungen zu den Protesten und es fand ein konstruktiver, reger Austausch zwischen dem Publikum und den Sprecher:innen statt.
Abschließend merkte Maryam Blumenthal an, es sei bemerkenswert, dass eine so große Zahl von nicht-iranischstämmigen Menschen die Veranstaltung besucht hat. Dies stimme sie optimistisch, dass große Solidarität mit den protestierenden Iraner:innen und der iranischen Diaspora existiert.