Sauberes Wasser, starke Gemeinden

Foto: Plan International

Sauberes Wasser und eine gesunde Ernährung sind für viele Menschen in Brasilien keine Selbstverständlichkeit. In den ländlichen Gemeinden Codó und Peritoró kämpfen Familien mit den Folgen des Klimawandels, fehlender Wasserversorgung und Nahrungsmangel. Das Projekt „NORMA Clean Water“ setzt auf nachhaltige Lösungen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.

Die ungleiche Verteilung von Wasserressourcen, klimatische Extreme wie Dürren und Überschwemmungen sowie eine hohe Inflation haben die Situation in den ländlichen Regionen Codó und Peritoró erheblich verschärft. Besonders Frauen und Kinder leiden unter unzureichenden hygienischen Bedingungen und mangelndem Zugang zu sauberem Wasser. Das Projekt „NORMA Clean Water“ wurde ins Leben gerufen, um den Familien eine verbesserte Wasserversorgung und mehr Ernährungssicherheit zu bieten.

Nach den ersten beiden erfolgreichen Projektphasen, in denen bereits über 600 Familien direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser erhielten, startete 2023 die dritte Phase. Diese Phase verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Unterstützung der Gemeinden. Neben dem Bau neuer Wasserversorgungssysteme werden Nachhaltigkeit, Ernährungssicherung und Bildung gezielt gefördert. Die Maßnahmen sollen bis 2026 umgesetzt werden.

Eine Landkarte Brasiliens mit den markierten Einsatzorten von Plan International
Die Projektgebiete Peritoró und Codó liegen im Norden Brasiliens Plan International

„Bevor wir Leitungswasser hatten, mussten wir Wasser aus dem Brunnen holen, um zu trinken und Geschirr oder Kleidung zu waschen. Zum Baden mussten wir in den Sumpf gehen.“

Raniely (18), Schülerin aus Peritoró

Zugang zu sauberem Wasser schaffen

Es wurden Boden-Untersuchungen durchgeführt, um geeignete Standorte für neue Brunnen zu identifizieren. Diese sollen künftig vielen Familien in Peritoró den Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen. Parallel dazu wurden in beiden Gemeinden Wasserkomitees gegründet. In speziellen Schulungen lernen die Mitglieder, wie sie das Wasserversorgungssystem langfristig verwalten und instand halten können. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der aktiven Einbindung junger Frauen, um ihre Rolle in der Gemeinschaft zu stärken und sie an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. 

In Workshops lernen Kinder und Erwachsene, warum sauberes Wasser wichtig ist, wie sie damit sparsam umgehen und welche Hygieneregeln sie beachten sollten. Diese Initiativen tragen dazu bei, langfristige Verbesserungen in der Wasserversorgung und der allgemeinen Lebensqualität der Menschen in den betroffenen Regionen zu erreichen.

Eine Maschine für Boden-Bohrungen ist mit Absperrband umzäunt
Brunnenbau im Projektgebiet Plan International
Ein Schüler steht vor gemalten Plakaten rund ums Thema Nachhaltigkeit
Wie wirkt sich der Klimawandel aus? Wie geht man mit Wasserknappheit um? In den Projektgemeinden lernen Kinder nachhaltige Lösungen für die Zukunft Plan International

Aufklärung für eine nachhaltige Zukunft

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Bildungsarbeit, die das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung und Gesundheitsvorsorge stärkt. In interaktiven Workshops zu Hygiene, Gesundheit und Kinderrechten lernen Kinder spielerisch, wie wichtig sauberes Wasser und gute Hygiene für ihr Wohlbefinden sind. Ein besonderes Highlight war die erste, von Schüler:innen selbst geführte, Schulmesse für Umweltschutz in Codó Novo, an der über 300 Teilnehmer:innen mitwirkten. Hier informierten die Kinder nicht nur ihre Lehrer:innen und Eltern, sondern auch Gleichaltrige über den Schutz der Wasserressourcen und die Bedeutung nachhaltigen Handelns. Darüber hinaus spielt auch die Menstruationsgesundheit eine große Rolle: In vier Gemeinden nehmen derzeit 1.200 Mädchen an speziellen Workshops teil, in denen sie nicht nur Wissen über Menstruationsgesundheit erhalten, sondern auch mit Hygieneartikeln ausgestattet werden. So wird sichergestellt, dass sie während ihrer Periode regelmäßig am Schulunterricht teilnehmen können, was langfristig ihre Bildungschancen verbessert.

„Wir hatten viele Workshops über Umweltbildung, Diskriminierung und Vorurteile, Hygiene und wie wir uns gesund halten. Ich habe viel gelernt, was ich vorher nicht wusste.“

Raniely (18), Projektteilnehmerin
Zwei junge Frauen stehen vor einem unverputzten Haus. Eine Frau hat vertraut einen Arm um die andere gelegt.
Die Schwestern Maria Fernanda (15) und Lucivanne (17) engagieren sich im Projekt. Maria Fernanda ist zudem neues Mitglied im Gemeindeverwaltungsausschuss Plan International

Die Workshops thematisieren auch Menschenrechte, Gleichberechtigung, faire Verteilung von Haushaltsaufgaben, Partizipation und Konfliktlösung.

Gemeinschaftsgärten für gesunde Ernährung

In den Gemeindegärten werden Teilnehmer:innen ausführlich in nachhaltigem Anbau und Ernährungssicherung geschult, um langfristig eine bessere Versorgung mit frischen Lebensmitteln zu gewährleisten. Eine besondere Innovation stellt der Aufbau eines Hydroponik-Gartens im Projektgebiet Codó dar – eine wassersparende Anbaumethode, die es ermöglicht, auch in Regionen mit begrenzten Wasserressourcen Gemüse anzubauen. 

Neben der praktischen Umsetzung spielt auch der Austausch innerhalb der Gemeinden eine wichtige Rolle: Bei ersten Treffen diskutierten 58 Gemeindemitglieder über Herausforderungen und Fortschritte in der landwirtschaftlichen Produktion und erhielten Materialkits mit Gummistiefeln, Saatgut und Bewässerungssystemen. In den kommenden Monaten entstehen weitere Gemeinschaftsgärten und ein Regenwasser-Auffangsystem als zusätzliche Wasserquelle in Trockenzeiten.  

Zwei junge Frauen gießen das Beet eines Gemeinschaftsgartens mit Gießkannen.
Isabele (14) und eine weitere Projektteilnehmerin gießen regelmäßig den Gemeinschafts-Gemüsegarten in ihrem Dorf Plan International
Fernanda trägt ein oranges Shirt und hockt vor einem Beet mit jungen Pflanzenkeimlingen
Fernanda (12) lernt, wie man nachhaltig gärtnert Plan International

Gemeinsam Zukunft gestalten

In den Gemeinden sind Strukturen entstanden, die es den Bewohner:innen in Codó und Peritoró möglich macht, ihr Wissen eigenständig weiterzugeben, ihre Wasserversorgung selbst zu verwalten und durch nachhaltige Anbaumethoden für eine gesicherte Ernährung zu sorgen. 

Die Kooperation zwischen der NORMA Group und Plan International Deutschland zeigt, dass nachhaltige Veränderungen nur dann langfristig erfolgreich sind, wenn die Gemeinden selbst aktiv mitgestalten. 

Jeder Fortschritt in diesem Projekt bringt die Gemeinden einen Schritt weiter in Richtung gesundes Leben, bessere Bildung und wirtschaftliche Stabilität. Dank des langfristigen Engagements und der aktiven Beteiligung der lokalen Bevölkerung ist „NORMA Clean Water“ nicht nur ein Projekt – es ist eine Bewegung für die Chance auf eine bessere Zukunft.

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