Ausgangssperren bedeuten nicht nur eine Beschränkung der persönlichen Freiheit, sie haben in ärmeren Regionen einen sofortigen Einkommensausfall zur Folge. Keine Arbeit, kein Geld – das ist unter anderem in Teilen von Brasilien und Honduras die Regel. Viele mittellose Familien erhielten in der Corona-Krise von Plan International Nahrungsmittel und Hygienesets mit Seife, Damenbinden, Zahnpasta und Desinfektionsmittel. Es sind Artikel, die oftmals unerschwinglich geworden sind, etwa in den Bundesstaaten Maranhão und Piauí im Norden Brasiliens. „Das war eine starke Teamarbeit mit vielen Freiwilligen“, erzählt Helliza Rodrigues von der örtlichen Patenbegleitung. In den Zielgebieten gab es heftige Regenfälle, als die Unterstützung im Mai losging, und teilweise konnten Lastwagen ausgespülte Straße nicht passieren. „Unsere Helferinnen und Helfer luden die Pakete einfach auf Schubkarren und Fahrräder um und schoben sie zu den Familien.“
Zuerst trauten sich die Menschen kaum, den Plan-Teams die Türen zu öffnen. „Wir hatten unsere Leute natürlich mit Desinfektionsmitteln und Masken ausgestattet. Und alle bekamen vorab eine Schulung zur Vermeidung von Ansteckungen“, sagt Creuziane Barros, Programmleiterin im Plan-Büro São Luís. Während der Hausbesuche verteilten die Plan-Teams auch Informationen zum Schutz vor Covid-19, Broschüren zum Thema Gewaltprävention sowie Telefonnummern des örtlichen Kinderschutznetzes. „Wir haben klar gemacht, dass die Kinderrechte unverändert gelten“, erklärt Helliza Rodrigues. „In dieser Region kommt häusliche Gewalt häufig vor und wir arbeiten häufig mit Mädchen zusammen. Sie sollten wissen, wo sie im Notfall Hilfe bekommen können.“ Allein im Mai wurden 12.000 Familien erreicht.
„Meine Kinder baten um Essen, aber wir hatten einfach nichts mehr. Dann kam Plan mit diesem Hilfspaket, ein Segen“
Dramatische Szenen auch in Honduras: Ungleichheit und Gewaltkriminalität behindern schon seit Jahren eine gleichberechtigte Entwicklung in dem mittel-amerikanischen Land. 60 Prozent der Bevölkerung sind von Armut betroffen, was sich unter anderem in einer chronischen Ernährungsunsicherheit äußert. 23 Prozent der Kinder dort leiden aufgrund von Unterernährung sogar unter Wachstumsverzögerungen. Die Coronavirus-Pandemie hat diese Situation verschärft. „Meine Kinder baten um Essen, aber wir hatten einfach nichts mehr. Dann kam Plan mit diesem Hilfspaket, ein Segen“, freute sich Julia, Mutter eines Patenkindes in Choluteca. Sie gehört zu insgesamt 33.000 Familien in dem südlichen Bezirk, die Lebensmittelpakete mit Reis, Bohnen und Maismehl für Tortillas sowie Hygienesets erhielten.
Die Plan-Teams nutzten die Verteilaktionen, um über die Gefahren von Kinderrechtsverletzungen durch häusliche Gewalt aufzuklären, denn Honduras hatte schon vor der Corona-Krise eine der höchsten Raten von Frühschwangerschaften in Mittelamerika. Mindestens 16 Prozent der Mädchen erleben vor ihrem 18. Lebensjahr sexuelle Gewalt.